Warum sind Brennereien immer aus Kupfer?

29. Oktober 2022
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Eine Destillieranlage ist allermeistens aus Kupfer gefertigt. Woran liegt das eigentlich? Diese Frage wurde mir schon häufiger gestellt - es also an der Zeit mal einen Blog-Beitrag darüber zu verfassen. 🙂

4 gute Gründe sind mir bekannt, weswegen eine Brennerei meist aus Kupfer gebaut ist. Manche Destillen sind stattdessen aus Edelstahl gefertigt.

1. Katalytische Wirkung

Kupfer hat eine katalytische Wirkung. Während Alkoholdampf nach oben durch den Helm der Brennerei wandert, kommt das Destillat in Kontakt mit Kupfer. Die katalytische Wirkung hat eine reinigende Wirkung auf Obstbrände. Zum einen werden Blausäure gebunden, die in Steinobstbränden enthalten ist, und zum anderen werden Schwefelverbindungen von der Hefen (erforderlich für die Gährung) gebunden. Es ist aber auch bekannt, dass Kupfer in ganz, ganz geringen, unbedenklichen Mengen (ppb- und ppm-Bereich) ins Destillat gelangt.

2. Gute Leitfähigkeit

Kupfer leitet Wärme/Hitze sehr, sehr gut. Und wir alle wissen, dass Hitze beim Brennen erforderlich ist. 🙂 Die gute Leitfähigkeit sorgt dafür, dass der Kessel zügig und gleichmäßig aufheizt.

3. Leichte Verarbeitung

Kupfer lässt sich schlicht und ergreifend leicht verarbeiten.

4. Tradition

Kupfer wird schon immer als Werkstoff für Brennerein verwendet. Das liegt natürlich an der leichten Verarbeitung und an den weiteren o.g. Vorteilen. Und manchmal bleibt Tradition einfach hängen. Vielleicht ist das auch so, weil Kupfer einfach so verdammt schön aussieht. 🙂

Brennereikessell der Fa. Holstein mit zylindrischem Helm und Verstärkerkolonne
Brennereikessell der Fa. Holstein mit zylindrischem Helm und Verstärkerkolonne
Helmformen | H. Wüstemfeld, G. Haesseler, 1995, Trinkbranntweine und Liköre, S. 45
Helmformen | H. Wüstemfeld, G. Haesseler, 1995, Trinkbranntweine und Liköre, S. 45

Zweifel an katalytischer Wirkung

Man kann berechtigterweise etwas anzweifeln, ob Alkoholdampf wirklich so viel Kontakt mit Kupfer hat. Dann schließlich steigt Dampf kaminförmig nach oben. Wenn also ein Helm die Form einer Zwiebel hat, hat man zwar viel Kupfer verarbeitet und der Helm sieht optisch sehr schön aus, aber der Dampf wird nicht extra die Kurve am Helm entlang wandern, sondern schnurstracks nach oben fließen.

 

Kupfer vs. Edelstahl

Es gibt Versuche mit Edelstahlkolonne, die aufgezeigt haben, dass Destillate, die über Edelstahl destilliert wurden, sensorisch länger zur Entwicklung brauchen, aber viel länger im sensorischen Optimum blieben. Sie oxidieren viel langsamer. Voraussetzung zum Brennen auf Edelstahl sind jedoch sauber vergorene Maischen. Zudem wäre Steinobst nicht geeignet über Edelstahl zu brennen, da Edelstahl die Blausäure nicht binden kann. (Peter Dürr, 2010, Technologie der Obstbrennerei, S. 226)

Bauteil: Katalysator

Eine Brennereianlage kann um ein weiteres Bauteil, den Katalysator, ergänzt werden. Wie der Name schon sagt, geht es hier ausschließlich darum, dass der katalytische Effekt von Kupfer zum Einsatz kommen soll. Der Katalysator ist zylindrisch und mit Kupferteilen gefüllt. Das können Kupferlamellen sein oder Kupferkugeln, Hauptsache ist, wir haben viel Kupferoberfläche.

Der Einsatz des Katalysators ist insbesondere bei Steinobstbränden empfehlenswert, da hier die enthaltene Blausäure im Destillat gebunden werden kann.

Brennabend mit Brennlust

Autorin Andrea

Ich brenne nicht nur für mein Leben gerne - sondern teile auch gerne mein Wissen, Erfahrung und Leidenschaft. In meinen Blogbeiträgen nehme ich Dich mit in den Alltag in unserer Brennerei und auf unserem kleinen Obstbaubetrieb. Natürlich gibt es zwischendurch auch Drinks zu genießen.

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