Schnaps, Spirituosen und Destillate!

1. Mai 2017
Lesezeit: 3 Minuten
Reading Time: 3 minutes
BRENNLUST | Was ist Schnaps?

Schnaps – was ist eigentlich Schnaps?

Das frage ich mich jedes Mal, wenn einer von „Schnaps“ redet – denn eigentlich gibt es Brände, Geiste, Liköre, usw. – also Begriffe, die deutlich enger gefasst sind, und das jeweilige Produkt in Kategorien einteilt. Schnaps ist da lockerer in der Eingrenzung, laut Duden ist Schnaps ein „hochprozentiges alkoholisches Getränk, besonders Branntwein; Klarer“, das harte Zeug also. Aber was ist nun der Unterschied zwischen Brand und Geist – und Destillat und Spirituose?

 

Destillat

Ein Destillat kann beides sein: Brand oder Geist, es ist immer das Ergebnis einer Destillation.
„Spirituose“ ist der Überbegriff für alle stärkeren, alkoholischen Getränke wie Brände, Geiste und Liköre.

 

Brand

Brand, bzw. Edelbrand und Geist sind zwei Begriffe, die in Abhängigkeit ihres Herstellungsverfahrens verwendet werden. Von einem Brand sprechen wir z. B.: bei einem Obstbrand, dessen frisches Obst eingemaischt wurde. Wenn Obstmaische vergärt passiert so einiges, z.B. dass Zucker sich in Alkohol verwandelt. Wenn die Gärung abgeschlossen ist, also der komplette Zucker in der Obstmaische sich zu Alkohol verwandelt hat, kann die Maische destilliert werden: Der Alkohol siedet bei 78 °C und kondensiert wieder, es entsteht ein Obstbrand. Der enthaltene Alkohol ist also aus dem fruchteigenen Zucker des eingesetzten Obsts entstanden.

 

Geist

Bei Geist verhält es sich ein wenig anders: Bei Geist wird Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs verwendet, der als einzige Alkoholbasis dient. Dieser Neutralalkohol (neutral, weil er keinen sensorischen Eigengeschmack hat), wird mit Aromastoffen versetzt. Das können sein: Frische Früchte, wie Himbeeren, Orangen oder Schlehen oder Kräuter, wie Enzian, Minze, Rosmarin oder Thymian. Die Geistherstellung hat einen Riesen Vorteil: die Aromen natürlicher Produkte, die ein hervorragendes Aroma haben, aber keine oder nur geringe Anteile an Zucker, können dennoch in Alkohol konserviert werden!

Ob man das Endprodukt dann auch „XY-Geist“ bezeichnen darf, ist eine andere Frage. Die EU-Verordnung hat auch hier ein klares Regelwerk geschaffen. Nehmen wir als Beispiel meine Kaffee-Orangen-Spirituose. Dieses Getränk ist eigentlich, hinsichtlich seines Herstellungsverfahrens, ein Geist. Nun wurde allerdings, vor langer Zeit, Früchte und Kräuter definiert, die zu einem „Geist“ gemacht werden dürfen. Auf dieser Liste steht aber kein „Kaffee-Orangen-Geist“ – weswegen er rechtlich betrachtet als Kaffee-Orangen-Spirituose bezeichnet werden muss.

Aus welchen Gründen auch bei gängigen Bränden oder Geisten der Begriffszusatz „Spirituose“ geführt werden muss, erkläre ich in einem weiteren Beitrag.

Und was eigentlich ein Gin ist, erkläre ich Euch hier: Was ist Gin?

 

RANDNOTIZ:

Was ist Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs?

Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs kann durch das Destillieren von vergorenen Früchten gewonnen werden – hierfür greift man gerne auf Kartoffeln oder Getreide zurück. Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs hat einen Mindestalkoholgehalt von 96 % vol. (Maximal sind 96,6 % vol möglich). Zudem hat Ethylalkohol keinen Fremdgeschmack, ist also sensorisch neutral.
Selbstverständlich hat Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs Höchstwerte in Bezug auf Nebenbestandteile, wie z.B. Methanol (30 g /hl reinen Alkohols), eine Auflistung all dieser Grenzwerte würde jedoch den Rahmen sprengen.

Brennabend mit Brennlust

Autorin Andrea

Ich brenne nicht nur für mein Leben gerne - sondern teile auch gerne mein Wissen, Erfahrung und Leidenschaft. In meinen Blogbeiträgen nehme ich Dich mit in den Alltag in unserer Brennerei und auf unseren kleinen Obstbaubetrieb. Natürlich gibt es zwischendurch auch Drinks zu genießen.

Newsletter

Solltest Du neue Blog-Beiträge oder Produkte nicht verpassen wollen, dann abonniere gerne meinen Newsletter. Keine Sorge, hier wirst Du nicht wöchentlich behelligt, ich verschicke maximal einmal im Monat einen kleinen, informativen Newsletter.