Warum bekommt man einen Kater?

9. August 2021
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Brennlust Blog-Artikel: Warum bekommt man einen Kater? (Bild von Sammy-Williams auf Pixabay)
Warum bekommt man einen Kater? (Bild von Sammy-Williams auf Pixabay)

Kürzlich hat mich nachts eine Kurznachricht von einem Freund erreicht. Er war unterwegs, offensichtlich ein wenig angetrunken: „Andrea, warum bekommt man von billigem Schnaps Kopfweh und von teurem nicht?".

Die Formulierung der Frage ist etwas kurz gefasst, aber es war ja schon mitten in der Nacht… Gemeint war natürlich, warum man von schlechtem Schnaps eher Kopfschmerzen bekommt als von gutem Schnaps.

Wir können froh sein, wenn es nur bei Kopfschmerzen bleibt. Nicht selten kommen Gliederschmerzen, Übelkeit (bis hin zum Erbrechen), starker Schweißbildung, allgemeinem Unwohlsein, depressiver Stimmung und Appetitlosigkeit hinzu. Konzentrationsschwäche und Müdigkeit gibt's natürlich inklusive. Die Regeneration kann bis zu 3 Tage dauern.

Um die Frage gründlich zu beantworten, müssen wir uns anschauen, warum man einen Kater bekommt. Hierfür gibt es nämlich mehrere Ursachen.

1. Kater durch Dehydration

Sicherlich haben wir schon alle mal beobachtet, dass der Konsum von Alkohol sehr durstig macht. Es gibt ja auch diese Ratschläge: Trinke nach jedem alkoholischen Getränk ein Glas Wasser, damit der Kater milder ausfällt. Und das hilft wirklich! Aber warum dehydriert der Körper eigentlich?

Für einen gut geregelten Wasserhaushalt brauchen wir unsere Niere. Die Niere reinigt nicht nur das Wasser, sondern kann das Wasser auch mit Nährstoffen anreichern. Sobald die Niere ihren Job erledigt hat, geht ein Teil des Wassers in die Blase (wir müssen pinkeln) und ein anderer Teil geht zurück ins Blut (Rückresorbieren). Für dieses Zurückführen des Wassers in unseren Körper brauchen wir ein Hormon: Vasopressin (ADH = Antidiuretisches Hormon). Dieses Hormon bewirkt, dass das Wasser aus der Niere nicht nur in die Blase gelangt, sondern dem Körper zurückgeführt wird. Ein großartig funktionierender Kreislauf.

Aber: Sobald wir Alkohol (oder auch Kaffee) trinken, wir die Produktion des Hormons ADH im Hypothalamus gehemmt. Und wenn kein ADH am Start ist, kann die Niere das Wasser nicht mehr ins Blut des Körpers zurückführen, sondern nur zur Blase. Die Konsequenz: Wir pinkeln oft und dehydrieren. Und gleichzeitig verlieren wir noch wichtige Mineralien, es kommt zusätzlich zum Elektrolyt-Verlust.

2. Kater durch schlechten Alkohol

Kommen wir nun zur Quintessenz der ursprünglichen Frage: der schlechte Alkohol. In der Tat gibt es unterschiedliche Alkohole, die sich auf unseren Körper unterschiedlich auswirken. Beim Vergären einer Obstmaische entstehen Alkohole neben weiteren flüchtigen Komponenten. Eine Auflistung findet ihr in der nachfolgenden Abbildung.

Tabelle: Flüchtige Komponenten aus Obstmaischen

In der ersten Spalte werden Alkohole, Aldehyde und Ester aufgelistet, in der Spalte direkt rechts daneben der jeweilige Siedepunkt. Die Abkürzungen in der letzten Spalte stehen für Vorlauf (VL), Mittellauf (ML) und Nachlauf (NL).

Während eines Brennvorgangs wird die Maische erhitzt. Mit steigender Temperatur sieden die enthaltenen, flüchtigen Komponenten nacheinander. Leider nicht strikt nacheinander, die Übergänge sind fließend.

Der erste Bestandteil eines Brennvorgangs ist der Vorlauf. Wie in der Tabelle ersichtlich, besteht dieser hauptsächlich aus Acetaldehyd, Ethylacetat und Acrolein. Diese Bestandteile sind Nebenprodukte der Gärung. Bei einer schlechten Gärung entstehen mehr Vorlauf-Bestandteile, wir sprechen hier dann auch von einer Fehlgärung. Es gilt diesen Teil "abzutrennen", also in einem separaten Eimer aufzufangen. Denn Vorlauf schmeckt nicht nur miserabel, sondern macht auch Kopfschmerzen. 🙂 Von einer Fehlgärung sprechen wir auch dann, wenn sich Methanol gebildet hat:

Der nächste, und für uns Brenner wichtigste Alkohol, ist das Ethanol. Dieser macht den Hauptteil des Mittellaufs aus. Diese Abtrennung zwischen Vorlauf und Mittellauf ist also entscheidend.

Weitere Komponenten, die einen heftigen Kater begünstigen, sind die sog. Fuselalkohole, bzw. höhere Alkohole. Wie wir aus der Tabelle oben entnehmen können, treten diese erst bei hohen Temperaturen auf - also beim Nachlauf. Das nachfolgende Schaubild macht diese fließenden Übergänge deutlich.

Destillationsverhalten der höheren Alkohole (Guan 1997)

Der gelbe Bereich ist der Vorlauf, der grüne Bereich ist der Mittellauf, das gute Destillat und der rote Bereich der Nachlauf.

Übrigens: Fuselalkohole kommen tendenziell eher in Edelbränden, Rum, Whisky und Cognac vor. Das liegt schlicht an ihrer Herstellungsweise.

Nun noch ein Wort zum Methanol, denn dieser ist auch ein unerwünschter Alkohol. Methanol ist ein Alkohol, der hochgiftig ist und bekanntlich in zu großen Mengen zu Blindheit, und manchmal zum Versagen der Organe führen kann. Natürlich sorgt Methanol auch für einen ordentlichen Kater. Methanol ist in Obstmaischen immer enthalten. Zum Glück ist bei guten Obstmaischen, bei denen sauber gearbeitet wurde, der Methanolgehalt unbedenklich und sehr gering.

Wenn jedoch schlampig gearbeitet wird, z.B. viele Blätter, viele Äste und Holz mit eingemaischt werden, sind Methanolgehalte jedoch höher. Und obwohl Methanol viel früher siedet als Ethanol, lässt sich das gar nicht gut abtrennen, sondern kommt dann im gesamten Destillat vor.

3. Kater durch Nebenprodukte beim Abbau des Alkohols im Körper

Wenn der Körper damit beschäftigt ist Alkohol abzubauen, entstehen giftige Nebenprodukte, die das Unwohlsein verstärken.

Zunächst produziert der Körper ein Enzym (Alkohol-Dehydrogenase), mit dem Ethanol zuerst zu Acetaldehyd zersetzt wird, was sehr giftig ist. Dieser Acetaldehyd wird mit dem zweiten Enzym Aldehyd-Dehydrogenase weiter zersetzt: zu ungiftiger Essigsäure. Dieser Prozess ist für den menschlichen Körper recht anstrengend. Muss viel Alkohol abgebaut werden, kommen wir wortwörtlich ins Schwitzen.

Diese beiden Enzyme kümmern sich auch um das Zersetzen von Methanol. Spannend hierbei ist, dass die Abbauprodukte von Methanol zunächst Formaldehyd und dann Ameisensäure sind - beide hochgiftig. Zu viel Ameisensäure im Blut führt zu einer Azidose, die tödlich enden kann. (Bei einer Azidose senkt sich der ph-Wert im Blut.)

Eine Methanolvergiftung kann man sich durch den Konsum von Schnaps mit zu viel Vorlauf zuziehen - wenn also ein Brennmeister bei der Destillation nicht richtig oder gar nicht abtrennt. Die tödliche Dosis Methanol liegt bei Frauen und Kindern zwischen 5 und 30 ml und bei Männern um die 100 ml (Moeschlin, 1980; Wirth und Gloxhuber, 1994).

Fun Fact: Es gibt ein Gegengift bei einer Methanolvergiftung, und zwar Ethanol! Denn: Der Körper baut mithilfe der beiden o.g. Enzyme immer zuerst das Ethanol ab. Wenn also ein Körper mit Methanol vergiftet ist und wir diesem Körper Ethanol zuführen, werden sich die beiden Enzyme Alkohol-Dehydrogenase und Aldehyd-Dehydrogenase sofort auf das Ethanol stürzen. Das Methanol wird erst mal links liegen gelassen, sodass seine Abbauprodukte (Formaldehyd und Ameisensäure) nicht mehr weiter produziert werden. Das Methanol wird dann über die Lunge und Urin ausgeschieden.

4. Kater durch schlechte Luft und wenig Schlaf

Kommen wir nun zum letzten Punkt, der zu einem Kater führt. Er wird gerne außer Acht gelassen, doch ist er eigentlich ganz banal. Denn seien wir doch mal ehrlich: Wenn wir in höheren Mengen Alkohol konsumieren, passiert das nicht in unserer gewohnten Tagesroutine (ich hoffe es jedenfalls!), sondern es passiert in der Freizeit, spät abends bis in die Nacht. Die Störung unseres gewohnten Schlafs begünstigt einen Kater. Zudem wirkt sich der nächtliche Umtrunk in einer verqualmten Bar noch ungünstiger auf einen Kater aus, als wenn wir draußen an der frischen Luft gefeiert haben.

Fazit

Die Qualität eines Destillats hat ganz klar eine direkte Einwirkung auf die Dauer und Härte eines Katers. Doch selbst wenn wir zu viel guten Schnaps trinken, werden wir nicht ganz verschont bleiben.

Das gute ist: Der Dehydration können wir prächtig entgegenwirken, indem wir ausreichend Wasser trinken.

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Brennerin und Inhaberin von BRENNLUST, Andrea Koch

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