Was ist Schnaps? Unterschied zwischen Brand, Geist & Spirituose
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Das frage ich mich jedes Mal, wenn einer von „Schnaps" redet - denn eigentlich gibt es Brände, Geiste, Liköre, usw. - also Begriffe, die deutlich enger gefasst sind, und das jeweilige Produkt in Kategorien einteilt. Schnaps ist da lockerer in der Eingrenzung, laut Duden ist Schnaps ein „hochprozentiges alkoholisches Getränk, besonders Branntwein; Klarer", das harte Zeug also. Aber was ist nun der Unterschied zwischen Brand und Geist - und Destillat und Spirituose?
Destillat ≠ Schnaps?
Ein Destillat kann beides sein: Brand oder Geist, es ist immer das Ergebnis einer Destillation. „Spirituose" ist der Überbegriff für alle stärkeren, alkoholischen Getränke wie Brände, Geiste und Liköre. Die Begriffe Spirituose und Schnaps werden häufig als Synonym verwendet. Allerdings sind sie das nicht. Schnaps ist Umgangssprache, Spirituose eine rechtliche Bezeichnung.
Brand
Brand, bzw. Edelbrand/Obstbrand und Geist sind zwei Begriffe, die in Abhängigkeit ihres Herstellungsverfahrens verwendet werden. Von einem Brand sprechen wir z. B.: bei einem Obstbrand, dessen frisches Obst eingemaischt wurde. Wenn Obstmaische vergärt passiert so einiges, z.B. dass Zucker sich in Alkohol verwandelt. Wenn die Gärung abgeschlossen ist, also der komplette Zucker (Fructose) in der Obstmaische sich zu Alkohol verwandelt hat, kann die Maische destilliert werden: Der Alkohol siedet bei 78 °C und kondensiert wieder, es entsteht ein Obstbrand. Der enthaltene Alkohol ist also aus dem fruchteigenen Zucker des eingesetzten Obsts entstanden.
Geist
Bei Geist verhält es sich ein wenig anders: Bei Geist wird Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs verwendet, der als einzige Alkoholbasis dient. Dieser Neutralalkohol (neutral, weil er keinen sensorischen Eigengeschmack hat), wird mit Aromastoffen versetzt. Das können sein: Frische Früchte, wie Himbeeren, Orangen oder Schlehen oder Kräuter, wie Enzian, Minze, Rosmarin oder Thymian. Die Geistherstellung hat einen Riesen Vorteil: die Aromen natürlicher Produkte, die ein hervorragendes Aroma haben, aber keine oder nur geringe Anteile an Zucker, können dennoch in Alkohol konserviert werden!
Ob man das Endprodukt dann auch „XY-Geist" bezeichnen darf, ist eine andere Frage. Die EU-Verordnung hat auch hier ein klares Regelwerk geschaffen. Nehmen wir als Beispiel meine Kaffee-Orangen-Spirituose. Dieses Getränk ist eigentlich, hinsichtlich seines Herstellungsverfahrens, ein Geist. Nun wurde allerdings, vor langer Zeit, Früchte und Kräuter definiert, die zu einem „Geist" gemacht werden dürfen. Auf dieser Liste steht aber kein „Kaffee-Orangen-Geist" - weswegen er rechtlich betrachtet als Kaffee-Orangen-Spirituose bezeichnet werden muss.
Likör
Liköre sind immer süß, denn sie müssen mindestens 100g Zucker auf einen Liter Likör enthalten. Traditionellerweise werden Liköre aus Fruchtsaft oder als sog. "Aufgesetzter" hergestellt. Sie enthalten also Fruchtextrakte, die dafür sorgen, dass Liköre farbig sind. Aber: Würde man einer 0,5L-Flasch Williams-Christ Brand 50g Zucker ergänzen, hätten wir einen Williams-Christ Likör, der klar ist.
Spirituose
Der Begriff Spirituose (abgeleitet vom lateinischen spiritus für „Geist“) ist der offizielle fachsprachliche und rechtliche Oberbegriff für das, was wir im Alltag oft salopp als Schnaps bezeichnen. Laut EU-Verordnung handelt es sich dabei um ein alkoholisches Getränk, das für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, besondere sensorische Eigenschaften besitzt und einen Mindestalkoholgehalt von 15 % vol. aufweist. Spirituose ist also eine offizielle Verkehrsbezeichnung, wenn "Schubladen" wie Brand, Geist, Whisky, Gin, Likör, etc. nicht mehr bedient werden können.
Bei Spirituosen haben Hersteller viel Spielraum und können ihrer lebensmitteltechnologischen Kreativität freien Lauf lassen. Ich unterscheide gerne naturnahe von naturferne Spirituosen.
Naturferne Spirituosen
Leider ist folgende Herstellungsweise zulässig, die man mit einem phantasievollen Namen, wie "Alter Willi" - oder "Willi gold" betiteln könnte:
- Ethylalkohol 96%vol,
- Wasser,
- zugekaufte Aromastoffe, z.B. Williams-Christ-Aroma aus dem Kanister
Diese Zutaten ergeben ein aromatisches, liebliches, hochprozentiges Getränk, das allerdings mit Schnapsbrennen und handwerklicher Brennkunst rein gar nichts zu tun hat.
Es ist völlig okay, wenn man solche Produkte lecker findet. Allerdings sollte man sich bewusst sein, was man da eigentlich trinkt. 😉
Naturnahe Spirituosen
Unser Rubinettenbrand mit Fruchtauszug ist eine naturnahe Spirituose. Rubinette ist eine sehr leckere, aromatische Apfelsorte. Wir legen frische Apfelschnitze dieser Sorte in den Apfelbrand (auch aus der Sorte Rubinette) ein. Der hochprozentige Apfelbrand zieht sich aus den frischen Apfelschnitzen ein klein wenig Süße, aber auch Säure und vor allen Dingen frisches Apfelaroma. Außerdem bekommt der Apfelbrand von der Apfelschnitzen und der roten Haut etwas Farbe. Dadurch sieht er Apfelbrand fast so aus, als hätte er in einem Holzfass gelegen.
Unser Kräuter Geist ist auch eine Spirituose, denn die Kräuter wurden nicht in reinem Ethanol mazeriert, sondern in einem hochprozentigem Apfelbrand aus unserer Brennerei.
RANDNOTIZ:
Was ist Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs?
Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs kann durch das Destillieren von vergorenen Früchten gewonnen werden - hierfür greift man gerne auf Kartoffeln oder Getreide zurück. Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs hat einen Mindestalkoholgehalt von 96 % vol. (Maximal sind 96,6 % vol möglich). Zudem hat Ethylalkohol keinen Fremdgeschmack, ist also sensorisch neutral.
Selbstverständlich hat Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs Höchstwerte in Bezug auf Nebenbestandteile, wie z.B. Methanol (30 g /hl reinen Alkohols), eine Auflistung all dieser Grenzwerte würde jedoch den Rahmen sprengen.
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Autorin Andrea
Ich brenne nicht nur für mein Leben gerne - sondern teile auch gerne mein Wissen, Erfahrung und Leidenschaft. In meinen Blogbeiträgen nehme ich Dich mit in den Alltag in unserer Brennerei und auf unseren kleinen Betrieb. Natürlich gibt es zwischendurch auch Drinks zu genießen.
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