Es ist der 15. August 2026, seit Mai fielen keine Großmengen an Regen. Die Wiesen sind ausgetrocknet, Bäume befinden sich im Trockenstress, Äpfel hängen verbrannt an den Bäumen, oder liegen verschrumpelt unter den Bäumen. Junge Bäume sterben, wenn sie nicht gegossen werden.
Es ist ein außergewöhnlich trockenes Jahr.
Heute Morgen war ich mit einer Freundin auf dem Bodensee mit dem SUP (Stand Up Paddleboard) unterwegs. Auf der Mettnau sind wir eingestiegen und waren wiedermal regelrecht erschrocken wie niedrig der Pegel des Bodensees ist. Auf der Mettnau sieht es aus wie im späten Herbst, überall liegt ockerfarbenes Laub, am Horizont sieht man keine saftgrünen Wälder, alles zeigt sich wie durch einen gelben Filter. Man hat irgendwie das Gefühl, man ist in Italien im Urlaub.
Der erste Apfel, eine Enttäuschung
Jedes Jahr freue ich mich auf meinen allerersten Apfel, direkt vom Baum. Das ist meist ein Gravensteiner, das ist meine Lieblingssorte. Der Gravensteiner ist bei uns die erste Sorte, die reif wird. Zudem ist es eine Sorte, die nicht lagerfähig ist und nur wenige Wochen Freude bereitet. Deswegen findet man sie quasi nie im Einzelhandel.
Der Gravensteiner ist frisch, hat eine schöne Süße und Säure, zitrische und florale Anklänge. Und er ist normalerweise so saftig, dass dir beim Reinbeißen der Saft an den Mundwinkeln herunterläuft.
Die Bäume haben nur wenige Äpfel vor lauter Trockenheit abgeworfen, da waren die Zetschgenbäume deutlich radikaler. Aber:
Die Gravensteiner Äpfel, die noch an den Bäumen hängen, lassen mich keine Freudesprünge machen. Weniger knackig, weniger Saft. So schade. Aber auch logisch, woher soll’s kommen, wenn es nicht regnet?
Ernteprognose für 2026
In letzter Zeit werde ich häufiger gefragt, wie es um unsere Ernte steht. Und ich merke, dass ich dann nicht so richtig weiß, für welche Perspektive ich antworten soll. Denn: Ja, mit unserer Apfelernte sieht es nicht gut aus. Wir haben drei Probleme:
- Eine Anlage ist verhagelt,
- die andere Anlage hat enorme Sonnenbrandschäden,
- Und der Trockenstress setzt den Bäumen so sehr zu, dass Äpfel und Birnen sehr klein bleiben.
Nein, wir haben kein Hagelnetz – das ist für uns einfach nicht wirtschaftlich. Ein Grund hierfür liegt darin, dass unser Fokus nicht die Produktion von Tafelobst ist (Tafelobst wären makellose Äpfel, die du im Supermarkt kaufen kannst).
Unsere Äpfel für die Brennerei und für den Meladoro dürfen Makel haben. Uns ist wichtig, dass sie sauber, ausgereift und gesund sind. Und obwohl wir nicht den Fokus auf makelloses Tafelobst legen, haben wir dennoch in den letzten Jahren immer ein paar Tonnen Tafelobst an den Großhandel abgeliefert, weil man sich einfach erhofft, hierfür ein etwas besseres Geld zu bekommen.
“Wenn man sie mit Genuss essen kann, kann man sie auch brennen.”
Was können wir also verwenden?
Die Äpfel, die enorme Sonnenbrandschäden haben, können/wollen wir nicht verwenden. Weder für die Brennerei noch für Meladoro. Überhaupt: Wir werden dieses Jahr gar keinen Saft für Meladoro machen. Die Äpfel und Birnen, die leichte Dellen vom Hagel haben, können wir stattdessen verwenden. Für die Brennerei spielt es keine Rolle, ob sie klein oder groß sind. Hauptsache, sie sind reif und sauber. Im Prinzip kann man nach folgender Regel gehen: Wenn man sie mit Genuss essen kann, kann man sie auch brennen. 😊
Bei den anderen Obstsorten sieht es gemischt aus:
Seit 10 Tagen läuft die Zibartenernte – und die ist tatsächlich sehr gut! Die Zibarten bleiben bis zur Reife an den Bäumen und haben ausreichend saft.
Bei den Zwetschgen sieht es gänzlich anders aus, hier haben wir große Verluste. Teils werfen die Bäume vor lauter Trockenstress die unreifen Früchte einfach ab.
Für die Mirabellen ist es noch schwer eine Prognose zu erstellen. Sie lassen sich Zeit reif zu werden, hoffentlich wird das noch was.
Und so sehr mein erster Gravensteiner Apfel eine Enttäuschung war, hoffe ich sehr, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen etwas Regen abbekommen. Vielleicht werden dann die späteren Apfelsorten noch etwas saftiger.
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